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kurz&knackig 2010/01

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Modellversuch Universitätsschule – erste Eindrücke

Als junge Studenten  der Wirtschaftspädagogik , an der damaligen Nürnberger – WiSO in der Findelgasse, hatten wir  in den siebziger Jahren mit Vehemenz gefordert,  die universitäre Bildung  viel stärker als bisher an der schulischen Realität zu orientieren  und  „endlich mit Berufsschülern in Kontakt zu kommen “. Zum Verständnis: Damals gab es  nur in sehr geringem zeitlichen Umfang „Schulpraktische Studien“, die sich aber ausschließlich darauf beschränkten, ungefähr vier Stunden zu hospitieren. Eigene Unterrichtsversuche durften wir nicht machen. Wir waren damals über diese Situation sehr unzufrieden, heute würde man sagen frustriert.

Wahrscheinlich war es die Erinnerung an die eigene Studienzeit, die mich bewogen hat, die Idee der Universitätsschule spontan begeistert aufzugreifen. Als  unsere Schule  im Frühsommer 2009 gefragt wurde, ob wir uns beteiligen wollen,  habe ich nach einer kurzen schulinternen Diskussion zugesagt. Seit dieser Zeit bin ich in meiner Eigenschaft als Schulleiter einer von drei Universitätsschulen  in den Modellversuch Universitätsschule am Nürnberger WIPÄD-Lehrstuhl Wilbers eingebunden. Erstmals im November 2009 hatte ich die Gelegenheit –im Rahmen des Welcome Weekends des Nürnberger Master im Schullandheim Pottenstein- mit den Studierenden das Konzept Universitätsschule zu diskutieren. Mein subjektives Ergebnis der Diskussion in Kurzform ausgedrückt: Die Studenten sind von der Idee überzeugt und erwarten sich Modifizierungen der Konzeption.

So zeigt sich in der Praxis, es ist sehr schwierig, die Zeit- und Stundenpläne der Studenten sinnvoll zu koordinieren mit den zeitlichen Vorgaben der Universität und der Universitätsschulen. Der Koordinierungsaufwand ist immens und stößt bisweilen an nahezu unüberwindbare Grenzen. Darüber hinaus hat sich sehr schnell herauskristallisiert,  das Konzept Universitätsschule stellt an die Studenten hohe Ansprüche, und zwar in quantitativer wie auch in qualitativer Hinsicht. Das heißt, die jungen Leute müssen nicht nur sehr viel Zeit investieren, sondern es wird auch eine neue „Studien-Kultur“ eingefordert, die in sehr hohem Maße Eigenverantwortung abverlangt und besondere Fähigkeiten der Selbstorganisation voraussetzt. Dabei stellt sich für mich die Frage, ob das von den Studenten eingeforderte Engagement in einem gerechten Verhältnis zu den erreichbaren Credit-Points steht?

Die Universitätsschule ist im Schulleben präsent! Das ist für mich bereits nach relativ kurzer Zeit spürbar geworden. Es entwickelt sich auch ein Vertrauensverhältnis zwischen Studierenden und Mentoren bzw. Mentorinnen, die Gespräche dauern meist deutlich länger als konzeptionell geplant. Ein positives Zeichen, wie ich meine. Es wird deshalb auch immer wieder der Wunsch geäußert, für die Nachbesprechung des Unterrichts mehr Zeit als bisher einzuplanen und dafür die Stunden für Hospitationen tendenziell zurückzufahren.  Im Sinne einer intensiven Auseinandersetzung mit dem „komplexen System Unterricht“ sicherlich ein konstruktiver Gedanke.

Die Zusammenarbeit von Universität und Schule wird für die Studenten tatsächlich erleb- und spürbar. Wissenschaftliche Erkenntnisse und schulischer Alltag begegnen sich. Beide „Seiten“ profitieren von einander! Nach meinen ersten Eindrücken trägt die Universitätsschule dazu bei, „Theorie und Praxis miteinander zu versöhnen“ und bei den Studenten die Furcht vor dem  sprichwörtlichen Praxisschock abzubauen.

Nach meiner persönlichen Einschätzung ist die Universitätsschule auf einem guten Weg, auf dem sich aber auch Stolpersteine befinden. Im intensiven Austausch zwischen Studenten, Universität und Universitätsschulen sollte es gemeinsam gelingen, vorhandene  Hindernisse zu beseitigen.

Alexander Liebel

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 21. Mai 2010 um 13:05 Uhr