Die große Unbekannte: Hilfe – Didaktische Jahresplanung!

Können Sie es auch manchmal nicht mehr hören? „Didaktische Jahresplanung“! Wenn der Begriff nur erwähnt wird, höre ich oft folgende Aussagen:

  • Das könnte das Unwort des Jahres werden!
  • Wieder was, das nur für den Ordner und das Regal geschrieben wird!
  • Wer braucht das denn?
  • Es reicht doch, wenn wir Lehrer miteinander reden!
  • Soll ich jetzt noch „Deutsch“ studieren, damit ich die richtigen Worte finde?
  • Wer kommt denn immer wieder auf so einen „Schmarrn“?

Die Liste könnte ich noch viel länger schreiben. Aber woher kommt denn diese Ablehnung gegenüber der „Didaktischen Jahresplanung“?

Alles begann 1999, als in einigen Berufen neue Lehrpläne mit Handlungssystematik eingeführt wurden. Gegenüber den fachsystematischen alten Lehrplänen ging man weg von der „sturen“ Aufteilung der Fächer, wie Fachrechnen oder Fachtheorie und über in handlungsorientierte Lernfelder. Die Idee war, dass komplexe Aufgabenstellungen innerhalb eines Lernfeldes komplett abgearbeitet werden können. Auch ging man davon weg, vorzuschreiben, wie lange für ein einzelnes „Thema“ bzw. eine Lernsituation gebraucht werden darf. Die zeitlichen Vorgaben wurden also sehr gelockert. Es wurde nur noch die Gesamtstundenzahl des Lernfeldes festgeschrieben. Plötzlich hatten die Lehrkräfte nun sehr große Freiheiten, die aber auch viel Verantwortung nach sich zogen. Wenn nun ein Lernfeld in einzelne Lernsituationen aufteilt wird, sollte darin eine komplette Handlungsstruktur erkennbar sein:

Natürlich lässt sich dies nicht immer so einhalten. Zumindest aber sollten die Auszubildenden die abgeschlossene Handlung erkennen.

Gleichzeitig änderte sich die Herangehensweise der Lehrkräfte für die Unterrichtsvorbereitungen. Während früher der Inhalt der Fächer im Vordergrund stand, beginnt die Unterrichtsvorbereitung heute mit der Überlegung, welche fachlichen und außerfachlichen Kompetenzen beim Schüler veranlagt werden sollen. Sind die gewünschten Kompetenzzuwächse definiert, erfolgt nun die Überlegung, mit welcher Unterrichtsmethode die Kompetenzsteigerungen auf Schülerseite erreicht werden sollen. Erst dann erfolgt der Blick auf den Inhalt der Lernsituation.

Da Kompetenzen beim Schüler nur durch eigenes Tun verankert werden, ist die Methodenvielfalt genauso wichtig wie früher. Lehrerzentrierter Unterricht ist genauso möglich wie Informationsbeschaffung durch Leittext, Lernzirkel, etc. Wie so oft im Leben macht es die gute Mischung. Heute stehen den Lehrern weit mehr als 100 verschiedene Unterrichtsmethoden zur Verfügung, so dass sich jeder seine „Lieblinge“ aussuchen kann.

Was hat dies mit der didaktischen Jahresplanung zu tun?

Früher war der Lehrer Einzelkämpfer. Die Stoffverteilungspläne gaben ihm den Unterrichtsstoff vor. Heute wird im Lehrerteam die Grobstruktur des Unterrichts erstellt und dokumentiert. Die getroffenen Absprachen befinden sich in der didaktischen Jahresplanung in Spalten zu Didaktik/Methodik und Verknüpfungen zu anderen Fächern. Die schon angesprochenen Kompetenzen auf Schülerseite werden ebenfalls in einer Spalte erfasst. Wie schon im Stoffverteilungsplan sind auch die Lernsituation und der Zeitrichtwert zu planen und zu erfassen. Dies alles ist der verbindliche Inhalt eines didaktischen Jahresplanes. Zusammen mit der Organisationsstruktur des Lehrereinsatzes und der Lernsituationsbeschreibung ergibt sich die didaktische Jahresplanung.

All dies findet sich im Leitfaden „Didaktische Jahresplanung“, der sich kostenlos von der Homepage des ISB herunterladen lässt. Außerdem sind darin Formularvorschläge aus „Segel BS“ und dem gewerblichen Bereich abgebildet.

Anschließend noch ein paar Fragen, die immer wieder im Zusammenhang mit dem Thema kommen:

  1. Warum wird die „Didaktische Jahresplanung“ nicht zentral erstellt?
    Weil jede Lehrkraft eigene Lernsituationen erstellt, die meist abhängig von der Ausstattung der Schule sind. Auch ist die Lehrerversorgung vor Ort zu berücksichtigen. Ebenso wäre es kontraproduktiv, wenn vorgeschrieben würde, welche Methode bzw. welche Versuche, wir mit den Schülern durchführen sollen. Die pädagogische Freiheit des Lehrers soll nicht eingeschränkt werden.
  2. Wie soll denn diese „Didaktische Jahresplanung“ aussehen?
    Hier gibt es keine Vorschrift. Es gibt die oben genannte Handreichung des ISB und der ALP. Darin sind Vorschläge für Formulare zur „Didaktischen Jahresplanung“ enthalten. Diese Formulare sind nicht verbindlich. Sie vereinfachen aber die Arbeit erheblich.
  3. Was soll in dem „Didaktischen Jahresplan“ stehen?
    Verbindlich soll das Lernfeld, die Lernsituation sowie ein Zeitrichtwert angegeben werden. Ebenso die Didaktik, die Organisation sowie die verantwortliche Lehrkraft. Außerdem enthält er Angaben zur Verknüpfung mit anderen Fächern. Am Ende der Lernsituation sollen die beim Schüler beobachtbaren Kompetenzen angegeben werden.
    Bei diesem Punkt, den „Handlungskompetenzen“ gibt es meist einen großen Kritikpunkt. Wie soll das formuliert werden? Welche Kompetenzen sollen überhaupt vermittelt werden? Auch hier gibt es in der „Umsetzungshilfe“ des ISB Vorschläge. Bitte beachten Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, das sind Vorschläge! Umsetzungshilfen! Sie sind verantwortlich für Ihren Didaktischen Jahresplan. Wenn Ihnen die Wortwahl oder die Begriffe nicht gefallen, schreiben Sie es so, dass es Ihrem Unterricht entspricht.
  4. Warum soll ich mich mit anderen Kolleginnen und Kollegen absprechen?
    Diese Absprachen sind wichtig, da die Lehrpläne sehr viele Freiheiten bieten. So kann nun durchaus vorkommen, dass Themen doppelt unterrichtet werden. Ebenso sollten die Lehrkräfte, welche in einer Klasse unterrichten, wissen, auf welchen Lernvoraussetzungen sie aufbauen können.
    Dies sollte dann in der didaktischen Jahresplanung erkennbar sein.
  5. Was ist ein Spiralcurriculum?
    Dies ist schon lange verbreitet. In einem Spiralcurriculum werden die im Laufe der Ausbildung benötigten Kompetenzen immer wieder wiederholt und besprochen, jedoch auf einem höheren Niveau. Das ISB erarbeitet gerade ein Kompetenzraster, das die Lehrer bei der schwierigen Formulierung unterstützt. Die Handreichung soll Ende des Schuljahres erscheinen.

Didaktische Jahresplanung dient der Vermittlung von Kompetenzen

Liebe Kolleginnen und Kollegen, „Didaktische Jahresplanung“ kann ganz spannend sein. Beschäftigen Sie sich mit dem Thema. Sie sind der „Chef“ in der Klasse. Natürlich müssen Sie sich an die Lehrpläne halten. Aber die lernfeldorientierten Lehrpläne bieten Ihnen sehr viele Freiheiten. Nutzen Sie diese Freiheiten verantwortungsvoll. Denken Sie bitte daran, dass Sie nicht nur „Fachkompetenzen“ vermitteln, sondern auch „Selbst-, Sozial,- und Methodenkompetenzen“ weiter geben sollen. In den Umsetzungshilfen des ISB zur „Didaktischen Jahresplanung“ gibt es hierzu Formulierungshilfen. Dies sind aber nur Vorschläge, die Ihnen helfen sollen. Nehmen Sie es also als das an, was es ist: Eine Hilfe für Sie. Wenn Sie andere Formulierungen verwenden, ist das in Ihrem Verantwortungsbereich. Sie bestimmen, wie Sie unterrichten! Formulieren Sie so, wie Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen es umsetzen können. Erst neulich hat mich ein Kollege darauf angesprochen, ob er jetzt „Deutsch“ studieren muss, um die Umsetzungshilfe des ISB mit diesen „Formulierungen“ anwenden zu können. Nein, liebe Kolleginnen und Kollegen, das soll es eben nicht sein! Sie sollen sich mit der „Didaktischen Jahresplanung“ zu Recht finden und Sie sollen diese gemeinsam mit Ihren Kolleginnen und Kollegen erstellen! Genau aus dem Grund gibt es keine „Didaktische Jahresplanung“, die für alle Schulen gilt.

Gerade in unserer schnelllebigen Zeit, müssen wir unsere Auszubildenden gut auf das spätere Berufsleben vorbereiten. Leider fehlt es vielen Schülerinnen und Schülern an den Grundkompetenzen: Teamfähigkeit, Lesefähigkeit, Selbsteinschätzung usw. Helfen Sie ihren Auszubildenden auf ihrem Weg ins spätere Berufsleben. Dazu kann die „Didaktischen Jahresplan“ für Sie eine wertvolle Hilfe sein.

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