Freistaat richtet Qualitätsagentur ein – Leistungen der
Schulen werden transparenter:
Bayern geht neue Wege in der Qualitätssicherung
Claudia Piatzer
Bayern richtet ab dem Schuljahr 2003/04 eine Qualitätsagentur für alle Schulen ein. Sie wird am Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung (ISB) aufgebaut. Zentrale Aufgabe der neuen Agentur ist es, die Unterrichts- und Erziehungsqualität aller bayerischer Schulen systematisch zu erfassen. „Mir geht es darum, die Gesamtqualität einer Schule darzustellen. Jahrgangsstufentests, Orientierungsarbeiten sowie zentrale Abschlussprüfungen sind bereits wesentliche Leistungsmerkmale bayerischer Bildungspolitik. Für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Bildung der Schülerinnen und Schüler werden wir diese Form der externen Evaluation konsequent weiterentwickeln. Dies ist auch eine Konsequenz, die wir aus den internationalen Leistungsstudien wie PISA ziehen“, sagte Kultusministerin Monika Hohlmeier zum Auftakt des internationalen Bildungskongresses „Bayern macht Schule“ in München.
Die Arbeit der Agentur macht die Leistungen der Schulen transparenter und verbessert die Vergleichbarkeit der Schulen untereinander und sichert damit Qualität. Dazu werden in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen Beirat regelmäßig Bildungsberichte erstellt. Die Wissenschaftler lassen neueste internationale Erkenntnisse in ihre Arbeit mit einfließen. „Mir geht es nicht um kurzlebige, schlagzeilenträchtige Rankinglisten der Schulen. Was ich anstrebe, ist ein umfassendes Bild der Arbeit der Schulen, das Aufschluss über die Effizienz und Nachhaltigkeit schulischer Arbeit gibt“, erklärte die Ministerin. Das sei keine Kontrolle mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern Voraussetzung für eine bessere Beratung der Schulen. „Denn nur wenn klar ist, wo der Schuh genau drückt, kann gezielt geholfen werden“, so Hohlmeier.
Auf der Basis verlässlicher Daten können Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern noch individueller unterstützt werden als bisher. Die Agentur arbeitet eng mit den so genannten Evaluationsteams vor Ort zusammen, die bei den Ministerialbeauftragten bzw. an einigen Schulämtern angesiedelt werden. An der Schule selbst entsteht ein umfassendes Qualitätssicherungssystem, das alle Stärken und Schwächen der Schule ausleuchtet – eben eine systematische Qualitätsentwicklung für die ganze Schule.
Wichtig ist, dass eine solche Qualitätsagentur nicht gleichzeitig die Aufsicht über die Schulen ausübt. Deswegen ist das ISB ideal für diese Aufgabe geeignet, zumal seine Mitarbeiter über umfangreiche Erfahrungen in der Bildungsforschung verfügen.
Die Qualität des Unterrichts steht im Zentrum des Interesses. Damit nicht jede Schule „ihre“ Anforderungen festlegt, wird die Agentur Standards für alle Schularten entwickeln. Standards sind eine Art Richtschnur. Sie zeigen auf, was zu einem bestimmten Zeitpunkt der Schullaufbahn in einem Fach von einem Schüler erwartet wird. Je nachdem wie gut ein Schüler den Standard erreicht, klettert er auf eine bestimmte Kompetenzstufe. Ein Beispiel: Im Fach Mathematik wird ein Standard für die Beherrschung des Bruchrechnens festgelegt. Während der eine Schüler die gestellte Aufgabe in der vorgegebenen Zeit sicher und souverän meistert, beherrscht der andere zwar die Rechenart, ist jedoch noch unsicher und braucht dementsprechend zu lange, um die Aufgabe zu lösen. Fazit: Der erste Schüler erreicht die höchste Kompetenzstufe, der zweite eine mittlere.
Die Qualität der Schule erkennt man aber nicht nur an den Unterrichtsergebnissen. Auch Schulprofil und schulisches Leben prägen die Arbeit entscheidend. Deshalb untersuchen die Mitarbeiter der Evaluationsteams beispielsweise, ob die Schule ein Leitbild oder ein Schulprogramm hat. (Ein Schulprogramm beschreibt die einzelnen Schritte, die in einem bestimmten Zeitraum notwendig sind, um eine Verbesserung in einem bestimmten Bereich herbeizuführen. Das kann ein unbefriedigender Informationsfluss zwischen Schule und Eltern sein oder auch schlechte Leistungsergebnisse in einem bestimmten Fach). Wichtig ist z.B. auch, wie die Zusammenarbeit zwischen Schulleitung, Lehrkräften und Eltern funktioniert oder ob sich die Schülerinnen und Schüler mit ihrer Schule identifizieren. Ebenso interessieren sich die Evaluatoren, ob sich die Schule an Wettbewerben wie „Jugend forscht“ oder dem Bayerischen Innovationspreis (i.s.i.) beteiligt. Über mehrere Jahre hinweg ergibt sich durch die gesammelten Erfahrungen ein verlässliches Bild darüber, wie die Schulen mit ihren Stärken und Schwächen umgehen.
Die Evaluation der Schulqualität ist eine Art „Frühwarnsystem“: Die Evaluatoren können eine über die Jahre schleichende Verschlechterung in einem bestimmten Bereich erkennen und die Schule kann dann rechtzeitig gegensteuern. Umgekehrt können besonders gelungene Ansätze auch anderen Schulen zugänglich gemacht werden.
„Unsere bayerischen Schulen sind gut, die Qualität kann sich international sehen lassen. Das hat die PISA-Studie eindrucksvoll bestätigt. Wir wollen aber international noch enger zur Spitze aufschließen. Dazu müssen wir uns noch mehr Gewissheit über den jeweils aktuellen Leistungsstand aller Schulen in Bayern verschaffen. Wir brauchen ein Bildungsmonitoring, also eine flächendeckende Datenerhebung, als Grundlage für zukunftsorientierte bildungspolitische Weichenstellungen“, sagte Hohlmeier.