Der kurze Sommer der kurzen Saison – Ferienspanne wieder länger
dpa


Die Sommerferien sollen nach dem Willen der Landeskultusminister von 2005 an wieder über einen längeren Zeitraum verteilt werden. Die Kultusministerkonferenz (KMK) einigte sich bei ihrer Tagung am 12. Juni in Rostock auf einen Kompromiss, wonach die Zeitspanne für die Staffelung der Ferien von durchschnittlich 75 auf 83 Tage ausgedehnt wird. „Der erste Ferientag wäre etwa am 20. Juni und der letzte am 15. September“, sagte die KMK-Präsidentin, Hessens Kultusministerin Karin Wolff (CDU). Die Neuregelung muss nun noch am 26. Juni von den Ministerpräsidenten der Länder verabschiedet werden.

Wolff und die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) zeigten sich zuversichtlich, dass die Länder-Regierungschefs dem Kompromiss folgen werden. Damit würden „pädagogische und schulorganisatorische sowie tourismuspolitische, verkehrspolitische und umweltpolitische Aspekte angemessen berücksichtigt“, erklärte die KMK in Rostock.

Mit ihrem Vorschlag entsprechen die Kultusminister einer Bitte der Ministerpräsidenten nach Revision des KMK-Beschlusses zur Neuregelung der Sommerferien von 1999. Damals hatten sie den Zeitkorridor für die großen Ferien von 91 auf 72 Tage verkürzt, so dass in diesem Jahr erstmals alle Bundesländer im Juli und August Sommerferien haben. Dies war vor allem von der Tourismuswirtschaft kritisiert worden, die lange Staus, eine verkürzte Saison und dadurch bedingte Millioneneinbußen befürchtet.

Über Einzelheiten der künftigen Ferienregelung hatte sich eine KMK-Arbeitsgruppe unter Beteiligung der Wirtschaftsministerkonferenz bereits am 11. April verständigt. Falls die Ministerpräsidenten dem neuen Konzept zustimmen, würde die Reform von 1999 verworfen, bevor überhaupt jegliche Erfahrungen im ersten Sommer ihrer Umsetzung gemacht worden sind. Wolff betonte, die Tourismusbranche habe mit dafür gesorgt, dass eine Änderung vollzogen werde. Sie könne mit dem Kompromiss sehr zufrieden sein. Die Spanne vom 20. Juni bis 15. September sei ein sehr großer Spielraum: „Wenn die letzten Länder mit den Sommerferien aufhören, gehen die ersten schon wieder fast in die Herbstferien.“

Inklusive der unmittelbar vor oder nach den Ferien liegenden Wochenenden ergibt sich für 2005 ein Gesamtferienzeitraum von 84 Tagen. Im Jahr 2006 liegt die Dauer bei 86 Tagen und im 2008 bei 87 Tagen. In Nordrhein-Westfalen werden die Sommerferien nach der jetzt beschlossenen Regelung früher beginnen, so dass es nur zum Teil zu Überschneidungen mit den Ferien in Bayern und Baden-Württemberg komme, hieß es weiter.

Geteiltes Echo auf neue Sommerferien-Regelung

Der Beschluss der Kultusministerkonferenz stieß auf ein geteiltes Echo. Der Deutsche Tourismusverband (DTV) monierte, dass der Gesamtferienzeitraum mit durchschnittlich 83 Tagen nicht lang genug sei. Der DTV habe, wie auch die Wirtschaftsministerkonferenz, durchschnittlich 87,7 Tage befürwortet, erklärte der Verband. Die Verkürzung des Zeitraums, auf den sich die Sommerferien der Länder verteilen, habe drastische wirtschaftliche Auswirkungen. Der Verband errechnete für den Verlust eines einzigen Ferientages ein rechnerisches Minus von rund 1 Million Übernachtungen.

Positiv reagierte dagegen die Bundesarbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus in Deutschland (BAG). Da in diesem Jahr Ende Juli in den drei bevölkerungsreichsten Bundesländern rund 41 Millionen Einwohner fast gleichzeitig in die Sommerferien gehen, befürchtet die BAG massive Bettenengpässe. In den Monaten außerhalb dieser Zeit werde es dagegen zu Auslastungsproblemen kommen, hieß es.

Auch der Hotel- und Gaststättenverband (BHG) des Urlaubslandes Bayern ist mit der neuen Regelung zufrieden. Damit könne den Gästen ein besserer Service geboten werden, die Reisesaison sei länger.

Durch die Entzerrung der Ferien soll auch die Zahl der Staus in der Hauptsaison verringert werden. „Die jetzige Regelung ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte eine Sprecherin des ADAC. Jedoch müsse man noch bis 2005 mit dem Problem leben. „Bis dahin können wir Reisenden nur raten, nicht zu Ferienbeginn und am Wochenende in den Urlaub zu starten.“



Zurück