500 000 Betriebe bilden nicht aus:
Bildungsministerin Bulmahn droht mit Abgabe
dpa


Mehr als 500 000 Unternehmen in Deutschland bilden nach einer aktuellen Erhebung der Bundesregierung zur Zeit keine Lehrlinge aus, obwohl sie von ihren Voraussetzungen dazu in der Lage wären. Diese Zahl nannte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) am 5. Juni in der Berufsbildungsdebatte im Bundestag. SPD und Grüne bekräftigten ihre Absicht, notfalls per Gesetz nicht ausbildende Betriebe zu einer Abgabe zu verpflichten. Mit diesem Geld sollen bei den Kammern zusätzliche Ausbildungsangebote geschaffen werden. Union und FDP lehnten eine solche Abgabe strikt ab.

Bulmahn bezeichnete die Lage auf dem Lehrstellenmarkt als äußerst ernst. „Keine Bundesregierung, auch kein Wirtschaftsverband und keine Gewerkschaft“ dürfte tatenlos hinnehmen, dass bis zum Jahresende mehrere zehntausend Jugendliche „unversorgt bleiben“. Die Bundesanstalt für Arbeit befürchtet, dass in diesem Jahr bis zu 70 000 Lehrstellen fehlen werden.

Nach den in Nürnberg veröffentlichen Mai-Daten haben die Betriebe und Verwaltungen ihr Lehrstellenangebot im Vergleich zu 2002 erneut erheblich reduziert, und zwar um 11,1 Prozent oder 53 000 Plätze. Anfang Juni – drei Monate vor dem offiziellen Beginn des neuen Ausbildungsjahres – sind bei den Arbeitsämtern noch bundesweit 307 335 Jugendliche als „unversorgt“ gemeldet. Ihnen steht ein Angebot von 136 039 freien Plätzen gegenüber. Besonders dramatisch ist die Lage in den neuen Bundesländern. Den 111 778 Jugendlichen ohne Stelle können die Arbeitsämter nur 27 000 freie Plätze anbieten. Für den Osten hat die Bundesregierung bereits zusätzliche Hilfen angekündigt.

Die Ministerin bezeichnete es als „Schande“ für alle nicht ausbildenden Betriebe, wenn die Bundesregierung „als letztes Mittel“ zu einer Ausbildungsabgabe greifen müsse. Redner von SPD und Grünen betonten, dass heute auch Spitzenvertreter der Wirtschaft für eine Abgabe offen seien, weil alle Betriebe auf einen qualifizierten Fachkräftenachwuchs angewiesen seien. Der Präsident des Industrieverbandes BDI, Michael Rogowski, hatte unlängst die Ausbildungsverweigerung eines Teils der Wirtschaft als „parasitär“ bezeichnet.

Die FDP forderte eine Prämie für die Betriebe von 3 500 Euro pro zusätzlichem Ausbildungsplatz. Der CDU-Politiker Uwe Schummer schlug für die Unionsfraktion unter anderem vor, den Lehrlingslohn für drei Jahre einzufrieren und Betrieben mit Lehrlingen einen Teil der Sozialversicherungsbeiträge zu erlassen.


Werbeaktion des Bundesbildungsministeriums:
Mehr Ausbildung bei ausländischen Unternehmern 
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Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn hat für mehr Ausbildungsplätze bei Betrieben mit ausländischen Inhabern geworben. Ungefähr 11 000 Ausbildungsplätze könnten so zusätzlich geschaffen werden, erklärte Bulmahn in Berlin. Ebenso wichtig und notwendig sei es, mehr ausländischen Jugendlichen eine erfolgreiche berufliche Ausbildung zu ermöglichen. „Der berufliche Erfolg ist ganz entscheidend dafür, ob Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland Fuß fassen können und Integration tatsächlich stattfinden kann“, sagte Bulmahn anlässlich einer gemeinsamen Ausbildungsoffensive von Bundesregierung und Arbeitgebern und Gewerkschaften.

Bei der Tagung wurde auch darüber diskutiert, Informationen über das System der dualen Berufsausbildung in Deutschland künftig stärker über die Medien zu transportieren. „Eine wesentliche Ursache für die geringe Ausbildungsbeteiligung der Jugendlichen ausländischer Herkunft ist der Mangel an ausreichenden Informationen“, betonte Bulmahn. Dies betreffe sowohl die Eltern als auch die ausländischen Unternehmer.

Schätzungen zufolge bilden nur sechs Prozent dieser Unternehmen aus – fünf Mal weniger als bei deutschen Betrieben. In der Aussetzung der Ausbildereignungsverordnung sieht Bulmahn eine wichtige Voraussetzung gerade auch für ausländische Betriebe, ihre Ausbildungsplatzkapazitäten zu steigern. Zudem verlassen ausländische Jugendliche wesentlich öfter als deutsche Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Nur ein Drittel aller Jugendlichen ausländischer Herkunft entscheiden sich für eine Berufsausbildung in Betrieben, im Gegensatz zu zwei Dritteln der deutschen Altersgenossen.

Nach Angaben des Bundesbildungsministeriums erscheinen in Deutschland rund 2 500 fremdsprachige Medien, die unmittelbar die rund 13 Millionen in Deutschland wohnenden Menschen anderer Herkunft erreichen.

Zur besseren Qualifizierung von jungen Ausländern in Deutschland hat das Bundesbildungsministerium bereits ein spezielles Projekt beim Bundesinstitut für berufliche Bildung (BIBB) in Bonn eingerichtet. Ziel der „Initiativstelle Berufliche Qualifizierung von Migrantinnen und Migranten“ ist es, diese junge Menschen an das Regelangebot der Ausbildungsberufe in Deutschland heranzuführen.



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